Leukipp und Demokrit

LEUKIPP von Milet lebte in der Mitte  des 5. Jahrhunderts v.Chr. und lehrte in Abdera an der Küste Thrakiens. Über ihn, den Begründer des Atomismus, war schon in der späteren Antike wenig bekannt. Man kann annehmen, daß alle wesentlichen Grundgedanken der atomistischen Philosophie von ihm stammen.

Die "paradoxe" Lehre des Parmenides vom unwandelbaren "Seienden", war für alle Nachfolger eine Herausforderung. Niemand konnte verstehen, daß es nur Eines und keine Vielheit gibt, daß alle Bewegung eine Täuschung sein soll. In Anbetracht dieser eleatischen Lehre kam Leukipp zu dem Ergebnis, daß man, um überhaupt Bewegung und Veränderung begreifen zu können, das Seiende und das Nichtseiende als wirklich annehmen, d.h den leeren Raum mit einbeziehen muß, den die Philosophie bisher nicht berücksichtige. Unter dem Seienden versteht er die unteilbaren Urkörperchen, die ATOME, die zahllosen ewigen: unzerlegbaren und daher unveränderlichen Ur-Teile aller sichtbaren Dinge. Die Atome und das Leere sind aber nicht wahrnehmbar - wie das von ihnen aufgebaute, sondern nur mit dem Denken erfaßbar.

Alle sichtbaren Veränderungsprozesse bestehen in Wahrheit darin, daß sich unsichtbar im Verhältnis der Teilchen etwas ändert, ihre räumliche Lage zueinander, die Geschwindigkeit und die Kraft, mit der sie einander anziehen oder abstoßen.

So entstand sein bekannter Lehrsatz: "Kein Ding entsteht planlos, sondern alles aus Sinn und unter Notwendigkeit". Dies ist die erste klare Formulierung des Kausalgesetzes. Seine Atomlehre kennen wir nur durch seinen großen Schüler Demokrit.

LEUKIPP inkarnierte wieder in Italien als MARSILIO FICINO (1433 - 1499). Die Humanisten bereiteten durch die Wiederentdeckung der griechischen Philosophie eine Umwälzung des geistigen Denkens vor. Zwei Dinge brachten neues Leben in die philosophische Erstarrung: die Auseinandersetzung zwischen Platonikern und Aristotelikern. Marsilio Ficino widmete, als Platoniker und Humanist, die Hälfte seines Lebens, dem Versuch, die beiden Glaubenssysteme miteinander zu versöhnen.

DEMOKRIT stammte aus Abdera, der Wirkungsstätte seines Lehrers, er lebte etwa von 460-360 v.Chr. Er konnte von sich sagen: "Ich bin von meinen Zeitgenossen am weitesten auf der Erde herumgekommen, habe viele Länder gesehen und die meisten gelehrten Männer kennengelernt". Demokrit gehörte seinem ganzen Denken nach sowohl in kulturgeschichtlicher als auch in erkenntnistheoretischer Hinsicht, dem von den Sophisten geführten Aufklärungszeitalter an, daher ist sein Hauptgebiet der philosophischen Spekulation der Mensch.

In seiner Atomlehre vertritt er die Ansicht, daß alles Entstehen in der Natur auf einer Verbindung beruht, alles Vergehen auf einer Trennung, demnach bestehen alle Gegensätze der Natur in verschiedenen Verbindungen der Atomkomplexe. In diesem Sinne besteht die allgemeine antike Definition von der unteilbaren statisch-plastischen Atomvorstellung. Sie beeinflußt das gesamte griechische Leben, denn sie beinhalten die Elemente der antiken Tragik. Nach diesem Prinzip verhalten sich die Darsteller im Theater, sie prägen alle Daseinsformen der antiken Politik und sie kommen auch im Verhalten der vielen kleinen und großen Städte zum Ausdruck. Jede ist eifersüchtig für sich bestehend, abgeschlossen und doch ewig der Anlehnung bedürftig, von den planlosen Ereignissen der antiken Geschichte hin und her gestoßen wie politische Atome.

Im Bild der griechischen Seele fehlt das Element des Willens, das Prinzip von Stoß und Gegenstoß enthält die Verneinung einer raumbeherrschenden, mit dem Raum verbundenen Kraft. Die modeme Physik besteht in ihrem Wesen in Schwingung und Strahlung, ihr Verhältnis zu den Naturvorgängen ist das des Motivs. Der antike Physiker prüfte das Entstehen, der heutige die Wirkung.

DEMOKRIT inkarnierte wieder in Deutschland als JOHANN REUCHLIN (1455 - 1522). Einer der verdientesten Reformatoren der Wissenschaft. Als deutscher Humanist vertritt er eine Naturspekulation mystischen Charakters. Er bekleidete verschiedene hohe Staats- und Lehrämter, wegen seiner Vorliebe für die platonische Philosophie wurde er von den Dominikanern erbittert bekämpft. Für die Philosophie brachte der Humanismus den Versuch, die antiken Systeme in ihrer wahren, von der scholastischen Auslegung nicht beeinflußten Gestalt, zu neuen Leben zu erwecken.