Schlußbetrachtung

Es wird manchmal gesagt, die Renaissance hätte eine so große Revolution hervorgerufen, daß man ihre Ursachen nicht völlig begreifen könne. Es ist eine Tatsache, daß es eine Reihe von Ursachen und Wirkungen gibt, die diese Veränderungen herbeiführten.

Die neue Entwicklung begann in Italien, vielleicht weil die zahlreichen Ruinen der römischen Denkmäler dem menschlichen Geiste die Wiedererlangung der verlorenen antiken Kultur erleichterte, weil die vornehme Gesellschaft überwiegend in den Städten lebte, wo der gegenseitige Verkehr viel leichter war als in den nordischen Ländern, wo die Adeligen in feudaler Abgeschlossenheit auf ihren Burgen wohnten. Dazu war in den Ländern des Mittelmeeres der Besitz an materiellen Gütern größer, da der Handel einen Reichtum schuf, der Studium und Erfindungen ermöglichte.

Wenn eine Reihe von Faktoren am Werke sind, treten Ursachen und Wirkungen in mannigfacher Wechselbeziehung zueinander und der ganze Prozeß wird kumulativ. Materielle, moralische und intellektuelle Faktoren verbanden sich zum gemeinsamen Strom der Renaissance.

Damit treten wir in das Reich der Ursachen ein und befassen uns mit den transzendenten Zielen des großen Lebensträgers, in dem wir leben, uns bewegen und unser Dasein haben, der unser Lichtbringer ist, vom Gott der Liebe, von Sanat Kumara. Der alle Menschen am Leben hält und seine ganze Schöpfung auf dem Pfade der Evolution immer weiter bis Vollendung führt, einer Vollendung, von der wir bisher noch keine Ahnung haben.

Die Entfaltung des großen Evolutionsplanes wird uns begreifbarer, wenn wir die historischen Vorgänge genau studieren, vergleichende Untersuchungen anstellen über die Entstehung moderner Zivilisationen und Kulturen, so wird die zugrundeligende Absicht, die sich wie ein roter Faden durch die Jahrhunderte zieht, erkennbar. Man erkennt, daß die geschichtliche Entwicklung ein einheitlicher und ordnungsmäßiger Prozeß ist, der nur Schritt um Schritt die göttlichen Qualitäten durch die Menschen zum Vorschein bringt. Gleichzeitig aber auch alle Weltphilosophien, das Zentralthema aller schöpferischen Kunst, die Symbole und die Ergebnisse der Wissenschaft in sich zusammenfaßt.

Durch die Entwicklung des gesamten europäischen Lebensverkettete sich der Gegensatz von Bildung und Unbildung in einer Form von reich und arm. Die Erschaffung materieller Güter hat die Arbeit des Intellekts dauernd in den Dienst der Selbstsucht gestellt. Die menschliche Geschichte, mit ihrer künstlich zivilisierten Gesellschaft, hat den Menschen für den Weg zur Sittlichkeit, völlig entfremdet.

Um das Jahr 1400 herrschte in Europa, durch den Einfluß bestimmter Energien, eine verhärtete kirchliche Orthodoxie, sowie extreme politische Gegensätze. Ein Zustand, der viele Generationen andauerte und man kann noch heute eine ähnliche Situation beobachten, sowohl auf dem Gebiet der Religionen als auch in der Welt der Politik. Dieses Stadium der Dinge kennzeichnet den Höhepunkt der separatistischen Epoche des Fischezeitalters.

Das Geistesleben der letzten Jahrhunderte ist geprägt durch den Weg vom Glauben zum Wissen. Anstelle des blinden Dogmas trat immer mehr die naturwissenschaftliche Erkenntnis. Diese im Kampf gegen Aberglauben und Unwissenheit zunächst verdienstvolle Entwicklung, führte allmählich zum Totalitätsanspruch der experimentierenden Wissenschaften und in letzter Konsequenz zu einem unfruchtbaren Materialismus.

Diese Entwicklung, die von den Älteren Brüdern beobachtet wurde, führte bei der Hierarchie des Planeten zur Überlegung, auf welche Weise die Evolution zur Verwirklichung einer neuen universellen Ordnung verstärkt werden könnte, um eine Synthese des Denkens herbeizuführen.

Welche Schritte notwendig wären, um die Absicht göttlichen Lebens im menschlichen Denken offenbar werden zu lassen. Der große Plan mußte in einem möglichst weiten Rahmen erschaut werden. Die geistigen Helfer denken in großen Zeiträumen und wirken in längeren Perioden der Evolution.

Für so einschneidende Maßnahmen, wie es die Veränderungen zur Zeit der Renaissance erforderten, mußten Männer und Frauen als Helfer geschult werden, welche in dieser Zeit Schüler, Jünger und Eingeweihte waren, auf die sich die Hierarchie in den zukünftigen Jahrhunderten stützen konnte. Wenn es einen solchen Plan gibt, dann setzt das natürlich auch die Existenz großer Denker voraus, die ihn entworfen haben und seine erfolgreiche Verwirklichung überwachen. Der Sinn ihres Bemühens ist, daß zahlreiche Menschen zur Erkenntnis kommen, daß es einen göttlichen Plan gibt und daß alles, was sich in der historischen Vergangenheit und ebenso heute ereignet, in Übereinstimmung mit diesem Plan geschehen ist.

Der Ansporn zu dieser Aktivität kommt aus zwei Richtungen, einmal aus der heiligen Stadt Shamballa, von Buddha und von Sanat Kumara dem Avatar der Synthese, auf der anderen Seite von den inkarnierten Mitarbeitern der geistigen Hierarchie, denn die Meister wirken durch einzelne Personen und durch die Arbeit von Gruppen. IhreAufgabe ist es, die überholten Denkgewohnheiten zu ändern, indem sie neue Ideen vermitteln, was eine mühsame und langwierige Arbeit erfordert. Zahlreiche Menschen jeder Altersstufe stehen im Erweckungsprozeß und werden als Helfer, bewußt oder unbewußt an eine Aufgabe herangeführt.

Mit dem Beginn der Renaissance wurde das kommende Wassermann-Zeitalter vorbereitet. Die großen Wissenden arbeiten langsam und mit Überlegung, frei von jedem Gefühl der Eile, doch haben sie nach dem Gesetz der Zyklen bestimmte Zeitspannen zu berücksichtigen. Zur Zeit der Renaissance war es ihre Aufgabe, das Denken der Menschen umfassender zu machen und das Gesamtniveau der menschlichen Intelligenz zu heben, sowie die Schranken des Separatismus zu überwinden.

Unter dem Einfluß einzelner Strahlen, die in zyklischer Folge wirksam waren, entstanden zahlreiche religiöse und politische  Gruppierungen, die bereit waren, für die göttlichen Rechte des Menschen zu kämpfen. Die religiösen Gruppen, die unter dem Einfluß des sechsten und zweiten Strahles wirkten, haben den Menschen bis zum Punkt der Auflehnung geführt, für Freiheit und individuelle Rechte einzutreten. Die kulturellen Gruppen wirkten unter dem Einfluß des vierten Strahles auf allen Ebenen künstlerischer Betätigung, während der erste Strahl die politischen Aktionen anregte, die zu den großen Wandlungen unter den Völkern führten. Unter dem Impuls des fünften und dritten Strahles sind die zahlreichen wissenschaftlichen Errungenschaften entstanden. Die herausragenden Persönlichkeiten der einzelnen Gruppen und ihr Beitrag zum Fortschritt, lassen sich im Geschichtsverlauf leicht feststellen. Sie alle haben ihre Inspirationen von der inneren Seite des Lebens bekommen und traten unter dem göttlichen Einfluß hervor, bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Es waren Eingeweihte aller Grade,die von ihrer Seele geleitet, bewußt mit der Hierarchie zusammengearbeitet haben.