Thales von Milet, Konstantin der Große und Julianus Apostata

THALES von Milet lebte im ersten Halbjahr des 6. Jahrhunderts. Als Begründer der ionischen Naturphilosophie wird er als der erste der sieben Weisen genannt. Er ist der älteste Denker in der Geschichte der abendländischen Menschheit, von dem berichtet wird, daß er aufgrund seiner astronomischen Kenntnisse schon im Winter eine reiche Olivenernte vorausgesehen habe. Weiters gelang ihm die Vorausberechnung einer Sonnenfinsternis im Jahre 585 v. Chr., eine für die damalige Zeit einzigartige Leistung.

Die Hauptfrage war für ihn sowie für seine Nachfolger der Ursprung der Dinge, aus dem die Fülle der Einzeldinge herzuleiten seien. Materie war für ihn Bewegung, daher wandlungsfähig, den Urstoff sah er im Wasser, aus dem alles hervorgeht. Der flüssige Zustand der Materie schien ihm der zu sein, von dem aus sich das Feste wie das Luftartige am leichtesten begreifen läßt.

Die alten Völker hatten vor den Flüssen größte Ehrfurcht, das Wasser war ihnen heilig, Bäche und Quellen galten als der Sitz von Götter und Nymphen. Für sie war der Ozean der Vater der Götter - POSEIDON der Sohn des KRONOS.

Die Natur ist es, die Thales vor allem zum Nachdenken fesselte, Erd- und Himmelskunde beschäftigten ihn, seine Ergebnisse waren epochemachend, - die Erde schwimmt als flache Scheibe auf dem Wasser, schwankt sie einmal, so sind das Erdbeben. - Allein diese Erklärung zeigt, daß er die Fesseln des mythischen Denkens gesprengt hat. Der einzige sicher überlieferte Satz von ihm lautet: "daß alles aus dem Wasser entstanden ist".

THALES inkarnierte wieder in Italien als GALILEO GALILEI (1564 - 1642). An seinen Namen und sein Schicksal knüpft die Geschichte zwei Wirkungen von wahrhaft großer Bedeutung: den Beginn der experimentalen Naturforschung und die Loslösung der Naturwissenschaft aus der Gesamtwissenschaft aus der einheitlichen Geisteshaltung zur Welt und ihrem Schöpfer. Dieses Ereignis, verbunden mit der Tragik seines Schicksals, wurde zu einer Krise des Abendlandes. Die gegen ihn erhobene Anklage wegen seiner Sympathie für das kopernikanische Weltbild waren weniger entscheidend als seine an die antike Atomistik anknüpfende Theorie der Materie, die der aristotelischen Physik grundlegend widersprach.

Die Lehre des Aristoteles von Stoff und Form bildete vor allem die rationale Basis kirchlicher Philosophie und das Verständnis des Eucharistie-Dogmas, demzufolge im Meßopfer Brot und Wein substantiell in Christi Leib und Blut verwandelt werden. Dieses zentrale Glaubensgeheimnis der katholischen Kirche seit dem fünften Laterankonzil im Jahre 1215, ist aufs engste mit einer Auslegung von aristotelischen Begriffen verbunden.

Galileis Antiaristotelismus mußte geradezu als Attentat auf die orthodoxe Lehre von der Realpräsenz Christi im Altarsakrament erscheinen. Da er sich zur Frage der Eucharistie niemals direkt geäußert hat, blieb ihm der Scheiterhaufen erspart.

KONSTANTIN der Große (Flavius Valerius Constantinus), römischer Kaiser, lebte von 280 - 337. Er war ein genialer Mensch, der zur Aufrechterhaltung der Ordnung im Römischen Reich meisterlich mit den religiösen Gefühlen der Menschen spielen konnte. Er erkannte, daß ein toter Glaube seiner Regierung nicht die Rettung bringen konnte. Zweifellos beeindruckte ihn die Tatsache, daß seine Legionen unter dem Zeichen des Kreuzes siegreicher waren, denn die Christen hatten sich trotz harter Unterdrückung nur selten gegen den Staat aufgelehnt, sie  anerkannten das göttliche Recht der Könige.

Konstantin strebte nach der absoluten Monarchie, seine Regierungsform mußte aus der religiösen Unterstützung einen Nutzen ziehen. Die hierarchische Disziplin und die ökumenische Autorität der Kirche schien ihm ein geistiges Korrelat zu sein. Wollte die römische Kirche überleben und ihre Autorität ausweiten und stabilisieren, so mußte sie sich der kraftvollen Unterstützung einer mächtigen weltlichen Persönlichkeit versichern. Die Idee des Christentums wurde von Rom vor allem weltlich erfaßt und gefördert, es mußte zuerst ein großer Völkerkomplex da sein, der eine Einheit bildete, in der die Idee einer Weltreligion Fuß fassen konnte. Solange die einzelnen Völker mit ihren verschiedenen Religionen nebeneinander bestanden, waren nationale Gottheiten möglich. Der Übergang vom Polytheismus zum Monotheismus des Christentums wurde möglich, weil ein großer Staat vorhanden war, der es der Kirche ermöglichte, in Erscheinung zu treten.

Mit Hilfe der römischen Weltsprache konnte die Glaubenslehre dem Menschen in allen Teilen des Landes mitgeteilt werden und wurde zugleich ein Teil der vorhandenen Bildung. Dadurch, daß die Römer alle Gottheiten nach Rom brachten und dort verehrten, wurde diesen Götzen der Boden entzogen und so verlor das nationale Götterprinzip seinen Status. Eine merkwürdige Fügung hat es gewollt, daß der Ruhm Konstantins durch das, was er für Palästina tat, weltgeschichtlich noch viele Jahrhunderte hinaus wirken sollte. Ohne den Glanz, welchen er über  Jerusalem und die heiligen Stätten verbreitete, hätte sich die Andacht der römischen Welt und in der Folge die des Mittelalters nicht mit solcher Glut an diese Örtlichkeit geheftet, und wäre nicht dem Islam, nach einem halben Jahrtausend der Besitznahme, wieder entrissen worden. Die Größe und Ausstrahlung des Christentums gipfelte in der Weisheit der antiken Welt. Das exoterische Christentum konnte sich deshalb so rasch verbreiten, weil der Zeitgeist der Griechen zum Inspirator dieser Lehre wurde.

KONSTANTIN inkarnierte wieder in Deutschland als JOHANN TSERKLAES GRAF VON TILLY geboren 1559 - 1632. Er war bayrischer Generalfeldmarschall und Oberbefehlshaber der Katholischen Liga, ein mönchisch-asketischer  Charakter, der durch seine Feldherrnfähigkeiten zahlreiche Siege im dreißigjährigen Krieg erkämpfte. Sein letzter Sieg war die Erstürmung und Zerstörung Magdeburgs. Er starb an den Folgen einer Kriegsverletzung in Ingolstadt im Jahre 1632.

JULIANUS APOSTATA (Flavius Claudius Julianus) wurde im Jahre 332 in Konstantinopel, als Neffe des Kaisers Konstantin, geboren. Sein Vater, der älteste Bruder und die meisten Vettern kamen in dem Massaker, das die Regierungszeit von Konstantins Söhnen einleiteten, ums Leben. Als Kind kam er nach Nikomedien, um dort von Bischof Eusebius erzogen zu werden. Zwischen Gefangenschaft und Verbannung wuchs er zum Jüngling heran. Die Philosophie und freie Spekulation kam seinem aufgeschlossenen Geiste sehr entgegen; während er das Christentum als System unanfechtbarer Dogmen betrachtete, das durch Streit um den Arianismus und die gegenseitigen Exkommunikationen von Ost und West unruhig und gespalten war.

In Pergamon und Ephesos studierte er Philosophie, was seine heimliche Bekehrung zum Heidentum herbeiführte. Eine Verbannung nach Athen brachte ihn an den Urquell der heidnischen Gelehrsamkeit, er verglich die bescheidene, feingeschliffene Lebensart der Menschen, die Erben einer jahrhundertealten Kultur, mit den christlichen Fanatikern und den "frommen" Staatsmännern, die es für notwendig hielten, seine Familie und so viele andere für ihre Zwecke umzubringen.

Zehn Jahre lang unterwarf er sich in allen äußeren Dingen dem christlichen Glaubensbekenntnis, während er in aller Stille die INlTlATION in die eleusischen Mysterien vollzog. Die Moral des Heidentums entschuldigte die Verheimlichung seiner Abtrünnigkeil. Angesichts der ernsten Krise im Westen des Reiches, wandte sich der Kaiser an Julian, dem er, argwöhnisch und geringschätzig zugleich, zumutete, sich sogleich in einen Staatsmann und Soldaten zu verwandeln.

Fünf Jahre blieb er als unerschrockener und aufrechter Kämpfer in Gallien, er verhalf der Provinz durch Reformen wieder zu Wohlstand, was ihm Neid und Mißgunst einbrachte. Mit Hilfe seiner gallischen Legionen wurde er mit 30 Jahren heidnischer Kaiser. Während seiner kurzen Regierungszeit galt seine ganze Leidenschaft der Philosoplie und dem großen Vorhaben, die alten Kulte wieder zum Leben zu erwecken. An alle führenden  Philosophen der Zeit sandte er Briefe und lud sie ein, als Gäste an seinem Hof zu leben. Doch mußte er feststellen, daß es nicht nur eine unversöhnliche Vielfalt von verschiedenartigen Kulturen und Glaubensrichtungen gab, die noch stärker als das Christentum von unglaubwürdigen Wundergeschichten und Mythen durchdrungen waren. Keine Morallehre konnte eine Seele gewinnen, wenn sie nicht mit dem Glanz von Wundern und Legenden umkleidet war. Im Jahre 363 fand Julian bei einem Feldzug gegen die Perser den Tod.

JULIANUS inkarnierte wieder in Deutschland als ERNST I., Herzog von Sachsen-Gotha und Altenburg. Er wurde 1601 in Weimar geboren und diente im 30-jährigen Krieg als tapferer Feldherr unter Gustav Adolf. Er war der Stifter des Gothaer Gesamthauses und brachte sein Land durch eine kluge Verwaltung zu Wohlstand und Ansehen.